Widerstehen im Nationalsozialismus – Pfarrer Dr. Eitel-Friedrich von Rabenau
Pfarrer Eitel-Friedrich von Rabenau (1884–1959) prägte die Geschichte der Apostel-Paulus-Kirchengemeinde im 20. Jahrhundert durch seinen Mut, seinen dauerhaften und kompromisslosen Widerstand gegen die nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ (DC) und seine Hilfen für Verfolgte.
Der Sohn eines Juristen war theologisch pietistisch und politisch nationalkonservativ eingestellt. Er lehnte die Republik ebenso ab wie beispielsweise das Pfarramt für Frauen. Nach dem Studium arbeitete er in der Krankenhausseelsorg e und Trinkerhilfe. 1912 ging er als Pfarrer an die deutsche Gemeinde in Jaffa/Palästina. 1920 zurückgekehrt, war er jahrzehntelang im Jerusalemsverein aktiv, der bis heute christliche, wohltätige Einrichtungen und Schulen im Land der Bibel unterhält.
Im Mai 1923 in unsere Gemeinde berufen, hatte er hier bis zu seiner Pensionierung 1954 das Pfarramt inne. Er konnte große Teile der Gemeinde für die Bekennende Kirche (BK) und somit auch für die innerkirchliche Opposition gegen die Dominanz der Nationalsozialisten in der evangelischen Kirche gewinnen.
Ein Gründungsvater der Bekennenden Kirche
Von Rabenau bekämpfte die DC seit deren Gründung im Jahr 1932. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten erlangten die DC innerhalb weniger Monate Mehrheiten in den meisten evangelischen Kirchengremien und erzwangen einen radikalen Umbau hin zu einem am „Führerprinzip“ orientierten Kirchenregiment. Sie verfälschten die christliche Lehre mit Elementen der nationalsozialistischen Ideologie und etablierten den „Arierparagraphen“ zur Entlassung aller Kirchenbediensteten mit jüdischen Angehörigen.
Dagegen formierte sich die Kirchenopposition, in der von Rabenau gut vernetzt war. Er gehörte 1933 zum Gründerkreis des Pfarrernotbundes, der zwangsentlassene Pfarrer unterstützte. Im Mai 1934 zählte er zu den Mitbegründern der BK und war als Mitglied mehrerer Bruderräte einer ihrer maßgeblichen Vertreter. Schon 1933 zogen SA-Leute in den Gottesdiensten von Rabenaus auf und bedrohten ihn. Kirchliche und staatliche Behörden verfolgten ihn mit mehreren Suspendierungen und Gehaltssperren sowie mit der zweimaligen Festnahme durch die Geheime Staatspolizei.
Kirchenkampf in der Gemeinde
Im Gemeindekirchenrat an Apostel Paulus errangen die DC bei den politisch erzwungenen Kirchenwahlen 1933 die Mehrheit. Es folgten erbitterte Auseinandersetzungen zwischen der Bekenntnisgemeinde um Pfarrer von Rabenau und der DC-Gruppe um Pfarrer Gerhard Peters.
Wiederholt denunzierten DC-Anhänger von Rabenau bei den Kirchenbehörden, was seinen Einfluss nicht schmälern konnte: Der zunächst „neutrale“ dritte Pfarrer Heinrich Roterberg wandte sich bald der BK zu. Über 900 Gemeindeglieder schlossen sich ihr im Laufe der Zeit an.
Am ersten Advent 1934 brachen die tiefen Gräben innerhalb der Gemeinde weithin wahrnehmbar auf. Trotz kirchenamtlicher Suspendierung sollte von Rabenau predigen, da mit ihm auch Pfarrer Roterberg und Hilfsprediger Kube, beide BK-nah, seine Zwangsbeurlaubung als unrechtsmäßig werteten. Doch Pfarrer Peters kam ihm zuvor und vereinnahmte mit der kleineren DC-Gruppe den Altarraum. Lange rangen von Rabenau von der Kanzel, unterstützt vom Posaunenchor, und Peters, an der Orgel begleitet, um die Durchführung des gut besuchten Gottesdienstes. Von Rabenau rief schließlich zum Auszug der BK-Gruppe auf. Die Konflikte hielten jahrelang an. Zeitweise wurde die BK-Gruppe aus den Kirchenräumen verbannt. Die Auseinandersetzungen endeten erst 1943 mit der kriegsbedingten Versetzung von Pfarrer Peters.
Offene und heimliche Hilfen für Verfolgte
Pfarrer von Rabenau verschloss weder die Augen vor der Verfolgung seiner jüdischen Nachbarn in Berlin-Schöneberg noch vor der Not der Gemeindeglieder jüdischer Herkunft. Diesen stand die Apostel-Paulus-Kirche uneingeschränkt offen. Er wollte den Ausgestoßenen „Gemeinschaft innerhalb der Kirche Jesu Christi geben“. Solch eine Haltung war damals in der evangelischen Kirche nicht selbstverständlich. Von Rabenau wurde mit einem anonymen Schreiben als „Judenknecht“ beschimpft.
Er taufte weiterhin konversionswillige Jüdinnen und Juden, erwartete aber, dass der Glaube und nicht allein formale Gründe sie leiten solle. Doch Taufscheine konnten sie nicht schützen. Standen Deportationen bevor, leistete von Rabenau seelsorgerliche Betreuung und befähigte einige Verfolgte zur Seelsorge unter Mitgefangenen. Als aber deutlich wurde, dass den Verfolgten der Tod drohte, entschlossen sich er, seine Ehefrau Elisabeth und einige Mitarbeitende zur riskanten Unterstützung von Menschen, die vor den Deportationen flohen. Sie boten ihnen im Pfarrhaus Hilfe, suchten geheime Unterkünfte bei gleichgesinnten Pfarrfamilien in ganz Deutschland und versorgten die Verfolgten materiell.
„In dieser Lage mussten wir aushalten, Gottes Wort wahrheitsgemäß verkünden und recht beten, durften unser Gewissen nicht betäuben, unsere Gedanken nicht verwirren lassen.“
Aus: E.-F. von Rabenau: Gemeinde im Werden. Geschichte der Apostel Paulus-Gemeinde von 1923 bis 1948, Berlin o.D. (1954), S. 66
Text: Martina Voigt