Zwei Leserbriefe zur Zukunft der Apostel-Paulus-Gemeinde

Zwei Leserbriefe zur Zukunft der Apostel-Paulus-Gemeinde

Zwei Leserbriefe zur Zukunft der Apostel-Paulus-Gemeinde

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Zwei Leserbriefe zur Zukunft der Apostel-Paulus-Gemeinde

Hier zwei Leserbriefe aus dem aktuellen Paulus-Gemeindebrief September bis November 2026 zur Situation und Zukunft der Apostel-Paulus-Gemeinde:

Dr. Heike Israel-Willner - Mitglied im Bevollmächtigtenausschuss APG

Am 30. Juni 2026 hat der Kreiskirchenrat  (KKR) nun inzwischen zum dritten Mal  den Bevollmächtigtenausschuss (BVA) der APG neu berufen. Neben zwei ehrenamtlichen Vertreterinnen der APG und  der geschäftsführenden Pfarrerin lag die Mehrheit bei den fünf Mitgliedern des Kirchenkreises.

In der ersten Sitzung des neu zusammengesetzten BVA am 7. Juli 2026 stand die Abstimmung über die Gemeindevereinigung erneut auf der Tagesordnung. Der ursprünglich geplante Vereinigungstermin war aufgrund erheblicher Verzögerungen im Verfahren bereits auf den 1. Januar 2027 verschoben worden. Im Verlauf des Prozesses hatte die APG-Initiative wiederholt angeregt, durch moderierte Workshops den Dialog zwischen beiden Gemeinden zu fördern und offene Fragen – etwa zur zukünftigen Gestaltung des Dritten Ortes Apostel-Paulus-Kirche oder zum Namen der Vereinigungsgemeinde – vor einer Entscheidung zu bearbeiten. Diese Vorschläge wurden vor dem Vereinigungsbeschluss nicht umgesetzt.

Der BVA beschloss am 7. Juli 2026 die Vereinigung der Apostel-Paulus-Gemeinde mit der Gemeinde Zum Heilsbronnen mit drei Gegenstimmen. Gleichzeitig  wurde festgelegt, dass die neue Gemeinde den Namen „Zum Heilsbronnen“ tragen wird. Eine Neuwahl des Gemeindekirchenrates nach der Vereinigung ist explizit nicht vorgesehen, obwohl das bei der Vereinigung zweier Gemeinden auf Augenhöhe üblich ist. Am 9. Juli 2026 bestätigte der Kreiskirchenrat den Vereinigungsbeschluss und schuf damit auf kreiskirchlicher Ebene endgültige Tatsachen.

Mit dieser Entscheidung endet die über 130-jährige Geschichte der Apostel-Paulus-Gemeinde als eigenständige Gemeinde. Sie war über Generationen hinweg weit mehr als ein Kirchengebäude. Die Apostel-Paulus-Gemeinde wurde von zahlreichen engagierten Gemeindemitgliedern, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden sowie Persönlichkeiten geprägt, die in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen haben – darunter z.B. auch Pfarrer von Rabenau als Vertreter der Bekennenden Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus. Dieses historische und geistliche Erbe auf den Erhalt eines Gebäudes zu reduzieren, wird aus Sicht vieler Gemeindemitglieder der Geschichte und der Identität dieser Gemeinde nicht gerecht. Die zukünftige Ausgestaltung dieses „Dritten Ortes - Apostel-Paulus-Kirche“ ist in weiten Zügen bislang weiterhin unklar.

Zurück bleibt bei vielen Mitgliedern der Apostel-Paulus-Gemeinde eine tiefe Enttäuschung – nicht allein über das Ergebnis des Verfahrens, sondern vor allem über die Art und Weise seines Zustandekommens. Kritisiert werden insbesondere die aus ihrer Sicht unzureichende Kommunikation, die fehlende Partizipation sowie der mangelnde ernsthafte Dialog während des gesamten Prozesses.

Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Entscheidend wird es sein, den Kontakt zu den Menschen der Nachbargemeinde zu suchen, Vertrauen neu aufzubauen und gemeinsam christliches Gemeindeleben auch mit eigenen Akzenten zu gestalten. Erste Initiativen aus beiden Gemeinden gibt es dazu. Moderierte Workshops, insbesondere zur inhaltlichen Ausgestaltung des „Dritten Ortes – Apostel-Pauluskirche“ werden nun in der zweiten Jahreshälfte folgen. Das Vertrauen der AP-Gemeindemitglieder darin, dass der Kirchenkreis diesen Prozess fair, vermittelnd und gleichberechtigt begleitet, hat jedoch nachhaltig Schaden genommen.

Alle Gemeindemitglieder sind deshalb herzlich eingeladen, sich in diesen Prozess aktiv einzubringen und die zukünftige Entwicklung mitzugestalten, damit die besonderen Akzente gelebter interkultureller und diverser Religiosität, für die die Apostel-Paulus-Kirche dank engagierter Haupt- und Ehrenamtlicher der APG weit über die Kirchenkreisgrenzen steht, fortgeführt wird. Gerne können Sie diesbezüglich Pfarrerin Martina Steffen-Eliş oder Frederic Riedel kontaktieren.


Kerstin Sohn - Mitglied der Apostel-Paulus-Gemeinde

"Liebe Alle," so habe ich in den letzten Monaten viele meiner Nachrichten an die WhatsApp- und Mail-Gruppen begonnen. Ich habe über meine Gespräche mit dem Leiter der Rechtsabteilung des Konsistoriums, mit  dem Bischof, mit dem Superintendenten, im Kirchenrecht tätigen Rechtsanwälten und vielen anderen berichtet. Es ging stets darum zu schauen, was wir tun können, um unsere Gemeinde zu erhalten und als gleichberechtigte Gesprächspartner im Prozess wahrgenommen zu werden. Auch wenn manche Nachricht emotionaler war, so habe ich doch stets um Sachlichkeit gerungen. Danke an dieser Stelle an alle, die in unserer Initiativgruppe mitgewirkt haben. Ihr seid oft über eure Grenzen gegangen und habt viel Zeit, Kraft und Zuversicht in alle Aktivitäten gesteckt. Danke, dass ich ein Teil davon sein durfte.

Trotz aller Anstrengungen haben sich der Kirchenkreis und die Gemeinde Zum Heilsbronnen mit ihren Interessen durchgesetzt. Wir konnten lediglich das Vereinigungs- und Enteignungsdatum auf den 01.01.2027 heraushandeln und erreichen, dass zwei Vertreterinnen aus unserer Initiativgruppe in den BVA berufen wurden. Bei allen anderen Entscheidungen wurden unsere Einwände und Interessen unter anderem mit dem Hinweis, die Kirche würde erhalten und die Hauptamtlichen am Standort bleiben, nicht berücksichtigt.

Mitnichten bleibt alles beim Alten, wenn zwar das Gebäude da bleibt und derzeit auch noch unsere Hauptamtlichen, jedoch eine 130-jährige Gemeindetradition, Zusammenhalt, Identität und Heimat einfach verschwinden. Nur weil wir keine klassische Gemeinde sind mit Bibelkreisen, Besuchsdiensten etc. gibt es Außenstehenden nicht das Recht, uns abzusprechen, dass wir eine Gemeinde sind.

Was bleibt, sind Enttäuschung über den Umgang und das zwar rechtlich, aus meiner Sicht jedoch moralisch keinesfalls korrekte Vorgehen sowie Trauer und ein kaum wieder gut zu machender Vertrauensverlust in die Institution, ihre Strukturen und Verantwortlichen.

Was dabei jedoch auch geblieben ist, ist  mein Glaube und eine Nähe und ein Zusammenhalt innerhalb unserer Initiativgruppe. Dafür bin ich dankbar. Dankbar auch für die Stärke unserer Hauptamtlichen in der Gemeinde.

Leider ist derzeit für mich noch völlig  offen, wie es tatsächlich mit dem sogenannten "Dritten Ort Apostel Paulus Kirche" weitergehen wird. Es gibt zwar eine Geschäftsordnung für den künftigen Beirat und einen ersten Entwurf für ein Konzept. Auch wurde ich vom Superintendenten angefragt, ob ich im Beirat mitwirken möchte. Es bleiben jedoch viel zu viele Fragen offen.

Da ohne Hoffnung und Zuversicht nichts Neues wachsen kann, versuche ich, diese wiederzufinden und zu bewahren. Deshalb hoffe ich, dass die Ehrenamtlichen, die sich jetzt schon etwas zurückgezogen haben (z.B. aus der offenen Kirche), das Pflänzchen der Hoffnung und Zuversicht  auch sehen können. Dass wir gemeinsam den sogenannten "Dritten Ort" wieder zum Leuchten bringen, ganz im Sinne eines Gebetes von Teresa von Avila „Gott allein genügt… Lass dich durch nichts beunruhigen. Lass dich durch nichts erschrecken. Alles vergeht. Gott  verändert sich nicht. Geduld erreicht alles. Wer Gott hat, dem fehlt nichts. Gott allein genügt.“

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