Brinkmann - Evangelische Apostel Paulus Gemeinde

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Gemeinde Aktuell
Sehr geehrte Gemeinde, Werner Brinkmann ist heute Morgen am 13. Januar 2018 in der Früh erlöst nach zwei Jahren im Krankenhaus  verstorben. Über viele Jahre hat er der Gemeinde als Kirchmeister und auch als Vorsitzender des GKR seine Kreativität und Arbeitskraft geschenkt, sich in vielen Gremien hilfreich mit seinen Gaben eingebracht. In den letzten gut 16 Jahren  haben wir zusammen den Haushalt und auch im Baubereich die Geschicke zum Guten für die Gemeinde erfolgreich gelenkt.
Die Trauerfeier findet am 2. Februar 2018 um 11 Uhr in der Apostel Paulus Kirche statt.
 
Andreas Kleeberg

Beileidspost an: Willi Brinkmann, Bahnhofstr. 35, 31020 Salzhemmendorf
 

Vorsitzender des Gemeindekirchenrats
 
 Ich erlaube mir den vom Pfarrer verfassten Dank Artikel aus dem Paulus 3/17 in guter Erinnerung an Werner Brinkmann und mit herzlichem Dank nochmals abzudrucken:

Dank an Werner Brinkmann für fast 50 Jahre Engagement in der Apostel-Paulus- Gemeinde.
 
Lange, viele zu lange, sind Sie, Herr Brinkmann, nun schon im Krankenhaus und erleben dort oft endlos lange Stunden; die Zeit mag einfach nicht vorübergehen.
 
Sie schließen Ihre Augen und da träume ich mit Ihnen einen Traum. Eine liebevolle Stimme sagt zu Ihnen: “Werner, der Zug fährt gleich ab. Mit dem Glacier Express fährst du ja so gerne.” Und noch eine liebevolle Umarmung und dann steigen Sie die Stufen hoch, finden Ihren Platz im Panoramawagen, setzen sich, und schauen hinaus. Ein freundlicher, älterer Mann müht sich mit einem Koffer, der viel zu schwer für ihn zu sein scheint. Sie denken noch: Es könnte ruhig einer der Umstehenden mal mit anfassen, da erkennen Sie darauf die Abbildung Ihrer Apostel-Paulus-Kirche mit einer Aufschrift in großen Lettern: “Verantwortung.“ Ein Schaffner rückt seine Mütze zurecht. “Am Gleis drei, bitte einsteigen, Türen schließen selbsttätig, bitte Vorsicht bei der Abfahrt.” Und Bilder tauchen vor Ihrem inneren Auge auf von saftigen Schweizer Bergwiesen, Zermatt und der herzlichen Wirtsfamilie, die schon sehnsüchtig Sie wieder erwartet.
 
Dann ist es wieder einen Augenblick lang so, als gerate der Bahnhof in Bewegung, Sie stellen fest, dass es der Zug ist, der angefahren ist. Als zöge die Landschaft, denken Sie noch, und dann fallen Ihnen die Zeilen eines Gedichts von Hilde Domin ein: “Man muss weggehen können und doch sein wie ein Baum: Als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest.”
 
Sie sinnen nach. Wie oft bin ich in meinem Leben schon weggegangen … bin innerlich in Bewegung geblieben und mir dennoch treu. Ja, es kann schön sein, weggehen und doch sein wie ein Baum, wie ein knorriger alter Baum auf dem Feld, standhaft und fest verwurzelt, unerschütterlich, durch nichts umzuhauen. Aber so ist es halt nicht immer im Leben; in den Stürmen des Lebens brechen einem schon auch mal der eine oder andere Ast ab. Und vielleicht ist es ja auch ganz sympathisch, wenn andere merken, ich bin auch ab und an dünnhäutig, brauche auch die anderen mit ihrem Rat, ihrer Zugewandtheit, ihrer Hilfe, Hauptsache sie kommen nicht aufdringlich, vereinnahmend und großsprecherisch daher.
 
Und da ziehen auch schon wieder Bilder an Ihnen vorbei. Wie Sie das Licht der Welt am 17. März 1942 mitten in den Schrecken des Krieges im Weserbergland in einer Kohlen- und Landhandelfamilie erblicken, einer Familie, wo noch selber geschlachtet und gewurstet wird, was Ihnen in der Kindheit nicht so schmeckt. Aber ein ruhiger, bodenständiger Menschenschlag, ehrlich, zuverlässig, familiär und fleißig zu finden ist; das ist der Humus aus dem Ihr Leben seine Kraft zieht. Und ein nüchtern protestantischer Geist, der nicht so sehr auf Visionen etwas gibt, sondern auf das, was man selber einbringt, dort, wo man sich engagiert.
 
Und dabei denken Sie. Es ist gut nicht immer auf einem und demselben Fleck zu stehen. Andrerseits fühlt man sich nach dem Wegzug von zu Hause, weg von der vertrauten Umgebung in eine Großstadt wie Berlin an manchen Tagen so, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen und seien einem die Wurzeln herausgerissen. Und da dann doch die Neugier auf neue Erfahrungen im Leben überwiegt, kommen Sie 1963 im Rahmen eines Förderprogramms des Bundes nach Berlin (-West) und arbeiten dort bei Installationsfirmen. Von 1970 bis 2002 auf den Flughäfen Tempelhof und  Tegel als Elektriker in der Gebäudetechnik (Rolltreppen, Fahrstühle, Klimaanlagen etc.).  1968 ziehen Sie in die Belziger Straße 29. Überall sind noch die Baulücken, die der Krieg gerissen hat, zu sehen. Für Sie eine Mahnung im Leben für Frieden einzutreten, für Toleranz und Weltoffenheit. Sie sind ein Mann der guten Kompromisse und des Ausgleichs, nicht des Streits. Polemik ist nicht Ihre Sache. 1975 heißt es dann die Zelte hier in Schöneberg abzubrechen und nach Neukölln in die Emser Str. umzuziehen. Diese Genossenschaftswohnung repräsentiert den Wandel dieses Neuköllner Kiezes. Erst haben Sie bis 1999 Ofenheizung, dann Ölheizung (Heizkessel) und sind mittlerweile an die Fernheizung angeschlossen. Aktiv engagieren Sie sich bis heute an der Verbesserung der Lebensqualität im Emser Str. Kiez.
 
Doch Ihrer Apostel Paulus Gemeinde halten Sie auch fortan die Treue. Ein eindrucksvoller Fernsehgottesdienst zu einem Jubiläum weckt die Lust auf mehr. Bald schon tragen Sie den “Paulus” regelmäßig aus, suchen den Kontakt zur Jungen Gemeinde, machen Kirchdienst und absolvieren mit Bravour einen Lektorenkurs und können bereits 1974 von Frau Büttner davon überzeugt werden, der richtige Mann am richtigen Platz als Kandidat für den Gemeindekirchenrat zu sein. Am 16.6.1974 werden Sie von Pf. Frisch und Pf. Otto als Ältester in den Gemeindekirchenrat in einem festlichen Gottesdienst eingeführt. Pf. Frisch, prägt die Gemeinde durch sein sanftes Wesen (unterstützt durch seine unermüdlich in der Gemeinde wirkende Frau, die eine große Gemeinde Bäuerin mit viel Herz ist!) und seine schönen Gemeindeausflüge ins Johannesstift mit dem Bus, Pf. Otto ist ein stark liturgisch geprägter Geistlicher, der konsequent für die wöchentliche Feier des heiligen Abendmahls fulminant eintritt. Doch schon längst haben in der Gemeinde die Frauen das Zepter in der Hand mit übernommen: Frau Kühn-Kleeberg, Frau Büttner, Schwester Erika und Frau Frisch lenken jede auf ihre Art das Gemeindeschiff mit und scheuen sich auch nicht in innerkirchliche und gesellschaftliche Konflikte sich einzumischen, geprägt von der Evangelischen Sammlung und einem traditionell biblisch geprägten lutherischen Menschenbild.
 
Mit dem Kommen des amerikanischen Pfarrers Downey kommt ein reger Aufschwung in die Arbeit mit Konfirmand*innen und Jugendlichen. Sinnbild dafür ist die immer offene Tür zwischen seinen Räumen der Pfarrwohnung und den Jugendräumen. Mit seiner offenen, der Friedensbewegung zuneigenden Art, bringt er  frischen Wind in die Gemeinde und macht den Jugendlichen Mut selber Verantwortung in der Jungen Gemeinde zu übernehmen.
 
In den 80er Jahren häufen sich die Konflikte zwischen unterschiedlichen Strömungen in der Gemeinde. Manchmal denken Sie, Herr Brinkmann: Ich wünschte mir manchmal ein dickeres Fell zu haben oder so stark zu sein wie ein Eichenbaum, stark und stabil und nicht zu erschüttern. Die 80er Jahre sind aber auch die Zeiten großer äußerer Herausforderungen. In der Motzstr. 54 gilt es angesichts der neuen Herausforderungen durch den Gesetzgeber, humanes Wohnen und Leben für Senior*innen mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten unter einen Hut zu bringen. Keine leichte Aufgabe. Mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl gestalten Sie den Prozess aktiv mit. Neue Wohnungen mit sozial verträglichen Mieten entstehen. Doch es ist auch die Zeit, wo der visionäre Pf. Schmidt Gedanken des Gemeindeaufbaus aus der charismatischen und evangelikalen Bewegung in die Gemeinde zu implantieren sucht. Lobpreis-, Salbungs- und Segnungsgottesdienste bringen Freude in die Gottesdienstlandschaft der Gemeinde. Dieses niederschwellige Gottesdienstangebot als “2. Programm” wird von etlichen nicht nur aus der Gemeinde angenommen und bringt auch neue Menschen in die Gemeinde, die ein Leben mit Jesus als inspirierend, erfüllend und Freude stiftend erfahren und denen auch Gaben orientiert aktiver Dienst in der Gemeinde zugetraut wird, der auch Wertschätzung erfährt ; auch die Implementierung der Gospelkonzerte bringt eine weite Beachtung über Gemeindegrenzen  hinaus und viel Sympathie für die Gemeinde ein, wie auch einige gut besuchte Glaubenskurse. Einzelne Gottesdienste sind sehr gut besucht, und werden zum Teil auch über die Gemeindegrenzen hinaus sehr beachtet, doch die erwartete Füllung der Kirche bleibt unglücklicherweise auf Dauer letztlich aus. Pf. Schmidt gegenüber steht Pf. Heydenreich, um deren Grabpflege Sie, Herr Brinkmann, sich mittlerweile liebevoll kümmern, mehr noch ihr Gedenken in Ehren halten. Pf. Heydenreich ist eine eher preussische Erscheinung, pflichtbewusst, nüchtern, klug, belesen, aber auch mit viel Herz für Menschen in Not und einem großen Gerechtigkeitsgefühl. Ihre Predigten sind wahre christliche Schätze des Glaubens und eines fundierten wissenschaftlichen Bibelstudiums. Ihr verdanken wir die Wiederherstellung des Areopagfensters in der Kirche nach ihrem Tode und viele kunsthistorische Erkenntnisse, die heute noch für unsere Kirchführungen die Grundlage bilden. Ihre Kenntnisse des jüdisch-christlichen Dialogs sind lebendig in die Gemeindearbeit mit eingeflossen. Und ihre Mitgestaltung des Kirchraums zu Festen wie Ostern oder durch die Adventspforte gemeinsam mit den Senior*innen und Konfirmand*innen hat bis heute seine Spuren hinterlassen. Doch die Charaktere der verschiedenen Gemeindeströmungen können sich unglücklicherweise nicht gegenseitig befruchten, ja stehen sich letztlich verständnislos gegenüber.  1986 scheiden Sie von den Querelen zermürbt aus dem GKR aus. Sie selber bleiben sich treu und Karten nicht nach.  Doch drei Jahre später sieht man sie wieder als Nachrücker im GKR und dann als GKR Vorsitzender. Seit 2001 sind Sie Kirchmeister der Gemeinde, seit 2007 Kirchmeister und GKR-Vorsitzender bis Januar 2017. In jener Zeit setzen sie sich unermüdlich für die Erhaltung unserer Apostel-Paulus-Kirche ein, unterstützen unsere Kita-Mitarbeiter*innen in ihrem großes Engagement für eine gemeindenahe und kiezverbundene allseits auch als Integrationskita ( seit vielen Jahren!) anerkannte Kita, nehmen konstruktiv den Prozess in der Region Schöneberg-Mitte mit auf - ohne kritiklos alle Neuerungen gleich mit einem Hurra-Schrei zu begleiten - und gestalten ihn von Seiten des GKR mit, wofür Ihnen unser aller Dank und unsere große Anerkennung gebührt.
 
Mit Ihrer ausgleichenden, besonnenen, unermüdlich hilfsbereiten Art und Ihrem feinen Humor sind Sie uns alle Vorbilder, und bilden in der Zusammenarbeit mit Ihrem kongenialen Weggefährten in der Gemeinde, Andreas Kleeberg, ein wahres Dream- Tandem über viele Jahre. Jetzt ist die richtige Zeit um den Staffelstab in andere Hände zu übergeben.
 
Und da taucht ein biblisches Bild vor mir auf, das Sie zeigt, doch so unser aller Wunsch nicht schon im Zielbahnhof, den Mann mit dem schweren Koffer im Blick,  der Sie und Ihr unermüdliches Engagement in der Gemeinde zeigt, sondern vielmehr wieder gesundet im Kreise von Menschen, die Sie ins Herz geschlossen haben, bei Festen und Ausflügen in der Region Schöneberg-Mitte unseres Kirchenkreises, als interessierter Teilnehmer des Kirchentages und des Reformationsjubiläums, und und...:
 
Ein Mensch, der Gott gemäß lebt und der “gleicht einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Seine Früchte trägt er zu seiner Zeit und seine Blätter welken nicht. Alles, was er tut, gelingt ihm gut.”
 
In herzlicher Verbundenheit Ihr Michael Daudert
 
 
Suchen
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü